|
|
Blick auf einen Mörder
Danny Devos recherchiert Greultaten bis ins Detail Stephanie Febel in Ruhr-Nachrichten, Thursday 22nd April 1993, Germany. | |
|
"Die Psyche eines Mörders ist mit der Psyche eines Künstlers zu vergleichen", sagt Danny Devos, holländischer Performancekünstler aus Antwerpen. Seit zwei Monaten arbeitet der Stipendiat des Künstler-Austauschprogramms „Transfer" vom Kultursekretariat NRW an einem mysteriösen Fall in den Räumen des Kulturrates. Der Massenmörder Joachim Kroll ist Objekt seiner Begierde. Bis ins kleinste Detail recherchiert Danny Devos die Greueltaten des Psychopathen aus dem Ruhrgebiet, dem 14 grausame Morde - Sexualdelikte und Kannibalismusnachgewiesen wurden. In einer Performance will er auf den „bemerkenswerten Mann" aufmerksam machen. Ihm geht es nicht um den Skandal, auch möchte er keine Effektheischerei betreiben, sondern einfach den Blick des Betrachters, anders als die Boulevardpresse, auf den Mörder und seine Mordtaten lenken. Das gelingt dem 33jährigen Künstler jedoch nur zum Teil. Danny Devos scheint bereits die Distanz zu Kroll und seinen Taten verloren zu haben. Seine Vorarbeiten gehen über eine bloße Recherche in Archiven und bei der Polizei hinaus. Der Künstler sucht Originalschauplätze der Morde auf, legt sich selbst wie eine Leiche nackt ins Laub und schießt ein nachgestelltes, dokumentarisches Foto, das später in der Performance zu sehen sein wird. Er sammelt Gras an einer Stelle, an der Kroll ebenfalls ein Opfer umbrachte und gruppiert es um einen Lageplan. Die Morde will Danny Devos nicht gutheißen, aber „Mord gehört zur Gesellschaft", sagt er. Die Idee, sich mit der Psyche eines Mörders auseinanderzusetzen ist an sich eine interessante, spannende Sache und auf vielfältige Weise bereits in Filmen wie beispielsweise „Das Schweigen der Lämmer" geschenen, aber Danny Devos' Umsetzung ist wenig originell. Auf Joachim Kroll ist der Künstler bei der Lektüre einer Enzyclopädie über Mörder und Mordtaten aufmerksam geworden. Er korrespondiert ebenfalls mit einigen Mördern in amerikanischen Gefängnissen, darunter auch John Gacy, der 33 Jungen ermordete. „Die Persönlichkeit eines Mörders fasziniert mich", gesteht Danny Devos und erklärt weiter: „Seine Taten sind genauso motivios wie die Werke eines Künstlersman weiß nicht, warum er es macht." Die Performance von Danny Devos, die nicht spektakulär sein will, es aber auf ganz eigene Art doch ist, gibt es nur ein einziges Mal zu sehen: am Freitag um 16 Uhr im Kulturrat, Lothringer Straße 36. Es wird bestimmt ein ungewöhnliches Kunsterlebnis. Stephanie Febel
| ||
|
Related performances: The Murder of Petra Giese Related group exhibitions: Transfer | ||