20.V.2017
25.II.2018
Proof of Life
Lebenszeichen
curated by Peter Friese

„Proof of Life“ vereinigt über 80 Gemälde, Skulpturen und Fotoarbeiten, die auf sinnliche und zugleich sinnstiftende Weise existentiellen Fragestellungen nachgehen. Allen ausgestellten Werken gemeinsam ist neben ihrer überzeugenden, sich nicht nur an das Auge des Betrachters wendenden Form auch eine ihnen innewohnende erzählerische Kraft, die die Besucher von Anfang an zu fesseln vermag. Das was sie zeigen, knüpft an eine zum Teil weit zurückreichende Tradition wirkmächtiger Bilder an. Sie zitieren, verführen, irritieren, provozieren und thematisieren zugleich moralische Wertvorstellungen. Dazu gehört die Aufforderung, das Gesehene nicht nur historisch zu verorten, sondern auch ganz konkret auf die Gegenwart zu beziehen.

Ein zentrales Werk dieser Ausstellung ist der als lebensgroße veristische Vollplastik von Gavin Turk re-inszenierte „Tod des Marat“ (nach J.L. David), welcher sich sowohl dem Thema der Aufklärung, der Idee der Freiheit, als auch der Frage nach der Rolle des Künstlers widmet. Auch der in mehreren Werken auftauchende Topos des Turmbaus zu Babel, z.B. bei Jake & Dinos Chapman und Wolfe von Lenkievicz, lässt sich weniger als Bildzitat, sondern tatsächlich als Gegenwartskritik verstehen. Last but not least seien die markanten Skulpturen von John Isaacs erwähnt, darunter eine 1:1 Adaption und Überformung der berühmten Pieta von Michelangelo aus Carrara Marmor. In der Tat greifen die Künstlerinnen und Künstler immer wieder auf kulturgeschichtliche Zusammenhänge zurück, setzen Kunstgeschichte auf intelligente, bislang noch nicht gesehene Weise fort, ohne jemals mechanisch, oder affirmativ zu zitieren.

Die Ausstellung argumentiert auf eine spezifische, direkt aus dem Bild heraus entwickelte Weise, bei der die Wirkmacht der Bilder tiefere Erkenntnisse keineswegs ausschließt, sondern fördert. Sie enthält somit Fragestellungen auch zur ganz aktuellen Debatte um die Bedeutung der Bilder, mit denen es sich gerade im Reformationsjahr 2017 zu beschäftigen lohnt.

Die Werke stammen aus einer in dieser Form noch nicht öffentlich gezeigten Privatsammlung. Bremens Sammlermuseum für Gegenwartskunst wird mit dieser Ausstellung seinem Auftrag gerecht, ungewöhnliche Sammlungen internationaler Kunst, die mit ihnen verbundenen Konzepte, Profile und Besonderheiten in sorgfältig kuratierten Ausstellungen vorzustellen und damit einen Einblick in die Gegenwart durch Kunst zu ermöglichen.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung

Louise Bourgeois, Berlinde de Bruyckere, Patrick van Caeckenbergh, Jake & Dinos Chapman, Anton Corbijn, Thierry de Cordier, Danny Devos, Tracey Emin, Tom Friedmann, Line Gulsett, Damien Hirst, John Isaacs, Sergej Jensen, Anne-Mie van Kerckhoven, Anselm Kiefer, Wolfe von Lenkiewicz, Esther Kläs, Alistair Mackie, Christian Marclay, Kate MccGwire, Richard Prince, Leopold Rabus, Daniel Richter, Terry Rodgers, Andres Serrano, Mircea Suciu, Gavin Turk, Jonathan Wateridge u.a


Der belgische Künstler Danny Devos arbeitet in unterschiedlichen künstlerichen Bereichen. Neben einer Vielzahl von Performances entwirft er Installationen, tritt in einer eigenen Band auf, organisiert Ausstellungen und Diskussionen. Mit seinen oft provozierenden und schockierenden Aktionen hat er sich über Belgien hinaus in der Kunstszene einen Namen gemacht. Ein zetrales Thema seiner künstlerichen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Krimineller Gewalt und Mord. Er hat mit Massenmördern korrespondiert, zutiefst fasziniert von de Nachtseite menschlicjer Kultur.

In diesen Kontext gehört auch die hier aushestellte Installation. Ihr Titel verweist auf einen der berühmtesten Morde der Filmgeschichte. In Alfred Hitchcocks Psycho ersticht der Hotelier Norman Bates eine junge Frau, während sie duscht. Devos übersetzt die im Film nur angedeutete Gewalttat in die brutale Sichtbarkeit einer mechanischen Apparatur. Wie von einer künstlichen Prothese geführt schneidet ein Messer immer wieder in unser filmisches Erinnerungsbild, als wolle es den illusionären mörderischen Vorgang real sichtbar machen. Die im Räderwerk festgehaltene gleichförmige Bewegung entspricht der einprägsramen, aus dem Handlungsablauf isolierten Filmsequenz. Die Apparatur wird zu Verkörperung eines Wahnbildes, das Norman Bates gefangen hält und in dem er sich wie in einem Kunstwerk gespiegelt und bestätigt findet.

Text: Guido Boulboullé

The Belgian artist Danny Devos is active in various fields of art. Along with a large number of performances, he designs installations, has concerts with his own band, organizes exhibitions and discussions. With his often provokative and schocking actions, he has made a name for himself in the art field far past the borders of Belgium. A fundamental theme of his artistic work is an investigation of criminal violence and murder. He has exchanged letters with mass murderers and is deeply fascinated by the nocturnal aspect of human culture.

The installation on display belongs to this context. Its title refers to one of the most famous murders in film history. In Alfred Hitchcock's Psycho, the motel owner Norman Bates strangles [sic] a young woman while she is showering. Devos transfers the act of violence that is only hinted at in the film into the brutal visibility of a mechanical apparatus. As if guided by an artificial prosthesis, a knife repeadedly cuts into our remembered image from the film, as if it were seeing to make the illusionary murder truly visible. The uniform movement triggered by the system of wheels corresponds to the striking film sequence that has been isolated from the plot development. The apparatus becomes the embodiment of a mad vision that imprisons Norman Bates and in which he finds himself mirrored and confirmed as if in a work of art.

Übersetzung/Translation: George Frederick Takis



Saturday 20th of May 2017 -> Sunday 25th of February 2018 in Weserburg, Teerhof 20, Bremen, Germany.



weblink


Included works: The Family, Norman Bates Loves the Arts,

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